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                                 Das Kreuz ist aufgestellt

ob Todes Schlünden,

daran du hangest, Welt,

in deinen Sünden.

Kein ander Lot

denn Sterbens Not

kann solche Schuld ergründen.  


Dein eitel Spott und Hohn

ward Klag und Bangen.

Da siehe Gottes Sohn

am Pfahle hangen.

Für deinen Stolz

trug Er das Holz,

darum ward Er gefangen.  



O Mensch, wie hat dein Wahn

den Leib zerschunden!

Du hast Ihn angetan

vieltausend Wunden.

Dein Trotz und Zorn

hat Ihm den Dorn

zur Marterkron gebunden.  



Du stößt der Nägel Qual

Ihm in die Hände.

Der Füße blutig Mal

sind dein Elende.

Dein Lug und Trug

ist schlecht genug,

dass es die Wahrheit schände.  



Die Geißel, das bist du,

bist auch der Stecken,

Du schlugest grausam zu

ohn all Erschrecken,

du stäupest blind,

bis Blut und Grind

den reinsten Leib bedecken.  



Du bist es, der das Kleid

des Herrn zerfetzte,

der an des Herren Leid

sich gar ergetzte,

die Stirne heiß

mit kaltem Schweiß

des Todes Ihm benetzte.  


Du bist der Trommeln Schall,

des Speeres Blinken,

du bist die bittre Gall,

die Er will trinken,

bist Stein und Grab,

da Er hinab

vor Abend muss versinken.  


Vielliebes Schmerzenshaupt,

gebeugt wie keines,

wie bist du so beraubt

himmlischen Scheines!

Vor Reue brenn,

Mensch, und erkenn:

Dies Haupt ist wahrlich deines.  


O Schächer ohne Schuld,

Lamm, weiß wie Mehle,

hab doch mit mir Geduld,

auch wenn ich fehle,

und gib Du mir,

dass ich schon hier

Dein Leiden nicht verhehle.  


Willst Du nicht diese Stund

die Bürde tragen,

muss aller Erden Rund

im Nu verzagen.

An jedem Ort

noch fort und fort

wirst Du ans Kreuz geschlagen.  


Erhelle, Gnadenschein,

mich irdisch Blinden!

Du, den nicht Grab noch Stein

ins Sterben binden.

Zur zweiten Nacht

wirst Du die Macht

des Feindes überwinden.  


O gottgebrochen Brot,

Welt, dir gespendet!

O Leben, das den Tod

ins Leben wendet!

O Sonne wahr!

Lichtbronnen klar!

O Wonne, die nicht endet!



                                 (c) Rudolf Otto Wiemer Erben, Hildesheim